gehen - kommen - da sein

Michael BrachtGeht er oder kommt er? - Die Frage stellt sich im Blick auf das Kirchenfenster in der Heidelberger Providenzkirche.

Der Jesus Christussegnende Christus auf einer Wolke. Ist es der Christus, der - wie es beim Evangelisten Lukas heißt - die Hände hebt und die Menschen segnet? „Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel“ (Lukas 24,51)? Oder ist es der Christus, von dem ebenfalls Lukas schreibt: „Und alsdann werden sie sehen den Menschen kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit“ (Lukas 21,27)? Oder hat der Künstler aus der Mitte des 19. Jahrhunderts diese Frage ganz bewusst in seinem Bild offen gelassen?

Denn Christus ist trotz seiner Himmelfahrt bei uns. Das machen schon die Evangelien deutlich. In ihnen ist die Himmelfahrt Christi zwar Abschluss der Erzählungen über Jesus, aber keine Endstation, sondern Zwischenstation. Die Evangelien enden nämlich mit einem Auftrag Jesu, der weit in die Zukunft greift, bis hinein in unsere Gegenwart und darüber hinaus: „Geht hinaus zu allen Menschen!“

Und wir gehen nicht allein. Der Auferstandene wird zum Himmel erhoben, um dann wieder im Heiligen Geist zu allen Menschen auf die Erde zu kommen. Zuerst musste er von einem konkreten Ort und aus einer konkreten Zeit Abschied nehmen, damit wir den Lebendigen zu allen Zeiten und an allen Orten erfahren können.

Ein frohes Fest der Himmelfahrt Christi wünscht,
Ihr Michael Bracht, P.



DER SEGENENDE CHRISTUS
Glasfenster in der Providenzkirche Heidelberg,
vermutlich aus der Werkstatt von Heinrich Beiler d. Ä.